Leermasse, Grundmasse, Nettomasse

Es kommt immer wieder zu Rückfragen bezüglich der Definition von eigenen Flugzeugen im Flight Planner, speziell der Angabe der Leermasse. ifos hat sich bei der Implementierung der W&B Funktionalität vom LBA-Formular leiten lassen, das folgende Begriffe unterscheidet

Leermasse: Masse des Flugzeugs leer, ohne Öl, ohne Kraftstoff
Grundmasse: Masse des Flugzeugs leer, plus Öl, plus nicht-ausfliegbarem Kraftstoff

Leider wird der Begriff der Leermasse nicht einheitlich in der Literatur definiert. So verwendet z.B. KÜHR, Der Privatflugzeugführer, Band Technik I, 1996, auf Seite 49 die Begriffe völlig synonym. Was noch schlimmer ist: in vielen deutschen Wägeberichten (nicht in allen) wird eine andere Definition der Leermasse verwendet:

Leermasse: Masse des Flugzeugs vollgetankt minus ausfliegbarem Kraftstoff

M.a.W.: Das Flugzeug wird vollgetankt gewogen, in einer extra Spalte "Abzüge" wird rechnerisch das Gewicht bzw. resultierende Moment des ausfliegbaren Kraftstoffs von der Brutto-Leermasse bzw. dem Leermoment abgezogen (und nicht des gesamten Kraftstoffs). Die dann ausgewiesene "Leermasse" enthält dann bereits den nicht-ausfliegbaren Sprit (in LBA Terminologie wäre das die "Grundmasse"). Achten Sie bitte in den Wägeberichten daher ganz genau darauf, wie der nicht-ausfliegbare Sprit behandelt wird (mit abgezogen oder nicht), wir haben schon beide Fälle in realen Wägeberichten gefunden.

Trägt man diese "Leermasse" im Flight Planner ein, ergibt sich eine Doppel-Zählung des nicht-ausfliegbaren Kraftstoffs: er steckt zum einen in der "Leermasse" und wird ein zweites mal explizit ausgewiesen. Im Zweifel sind Sie damit bei "normalen" Flugzeugen zwar wahrscheinlich auf der sicheren Seite, dennoch sollte man dann den Wägebericht sinngem. korrigieren, in dem man Masse und Moment des gesamten Kraftstoffs (= auch des nicht ausfliegbaren) zur Berechnung des Leergewichts heranzieht. Ziehen Sie Gewicht und Moment des nicht-ausfliegbaren Kraftstoffs von den Werten aus dem Wägebericht ab, berechnen Sie dann im letzten Schritt den "fiktiven" Arm des Leermoments durch Division von Leermoment und Leermasse.

Folgendes reales Beispiel eines Motorseglers zeigt die Korrekturrechnung, die Annahmen dabei  sind : 46 Liter Tankkapazität, davon 1,5 Liter nicht ausfliegbar, bei 0,72 kg/l spez. Gewicht des Sprits und Arm des Tanks von 2,22 m.

Bezeichnung Masse Arm Moment
"Leermasse" gem. Wägebericht 469 kg 2,3700 m 1111,455 kgm
Nicht-ausfliegbarer Sprit
(1,5 l * 0,72 kg/l)
1,08 kg 2,2200 m 2,3976 kgm
Bereinigte Leermasse/moment  467,92 kg 1109,0574 kgm
Bereinigter Arm 2,3701 m

Tragen Sie die so korrigierte Leermasse und den zugehörigen Arm jetzt im Flight Planner im Feld Leermasse ein, der nicht-ausfliegbare Kraftstoff wird dann korrekt berücksichtigt.

Wie Sie in diesem realen Beispiel sehen, ist der mögliche Fehler, der durch die Doppelzählung entstehen könnte, eher gering, bei anderen Kraftstoff/Arm Kombinationen kann er aber durchaus merkbar werden.

Als methodische Schwäche des Flight Planner muss man allerdings ansehen, das abweichend vom LBA-Ansatz Öl und Kraftstoff unterschiedlich behandelt werden: Kraftstoff explizit, Öl implizit in der Leermasse "versteckt". Wer möchte, kann das Öl allerdings durch eine eigene Position mit Arm und Masse explizit ausweisen.